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Beschreibung von Handschrift Wolfenbüttel, NLA WO, VII B Hs, Nr. 220 (Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel. Beschrieben von Helmar Härtel, Mona Dorn, Katharina Krieg und Anja Schwarzbach. Wolfenbüttel, 2007.)
Mona Dorn, in: Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel. Beschrieben von Helmar Härtel, Mona Dorn, Katharina Krieg und Anja Schwarzbach. Wolfenbüttel, 2007.

Psalterium feriatum cum canticis

Pergament — 70 Bl. — 27,5 × 19 cm — Braunschweig — 13. Jh., 2. Hälfte

Lagen: IV–6 (2). IV–6 (4). IV–3 (9). IV–3 (14). IV–3 (19). IV–4 (23). IV–1 (30). IV–2 (36). IV–3 (41). 2 IV (57). I (59). IV (67). IV–5 (70). Bleistiftfoliierung modern: 170. Der Buchblock ist durch zahlreiche Blattverluste und -beschädigungen (vielfach infolge intensiven Gebrauchs) erheblich in Mitleidenschaft gezogen; zu Beginn fehlt mindestens noch ein weiterer Quaternio. Schriftraum: 22,5 × 15,5 cm, zweispaltig (Spalte 7 cm breit), 22–24 blind- und tintenliniierte Zeilen, Punkturen z. T. an den Blatträndern sichtbar. Haupttext in früher gotischer Textualis ohne Bogenverbindungen von einer Hand; Gesangsteile in kleinerer Schrift abgesetzt. Über den Textzeilen der Invitatorien, Antiphonen und Responsorien linienlose "frühgotische" deutsche Neumen. Rubriziert, rote Satzmajuskeln und Zeilenfüller. Am Beginn der Gliederungspsalmen gemäß der liturgischen Achtteilung (1va, Initiale D, 3ra, Initiale D, 8va, Initiale D, 14rb, Initiale S, 20va, Initiale E, 29ra, Initiale C und 38ra, Initiale D) schlichte rote Initialen in Unzialform über vier bis sechs Zeilen mit Punktverdickungen, z. T. weißen Schaftaussparungen und schlichtem konturbegleitendem Palmettenfleuronnée. Das Binnenfeld der Initiale E (20va) wurde nachträglich, vermutlich im 14. oder 15. Jh., mit verschlungenen Knospenbüscheln gefüllt.

Gotischer Holzdeckelband, mit braun gefärbtem Schweinsleder überzogen. Streicheisenlinien. Vier Doppelbünde. Zwei Langriemenschließen, die obere vollständig verloren, Dornen auf dem VD entfernt. Auf VD und HD ursprünglich jeweils fünf Schonernägel, sämtlich entfernt. Ehemals Liber catenatus, die an der Unterkante des HD befestigte Kette ist nur noch anhand der Perforation der schmalen Kettenöse erkennbar. Auf dem Rücken altes Signaturschild mit der Aufschrift 73.

Herkunft: Das Psalterium wurde nach Ausweis der Schrift und des Buchschmucks in der zweiten Hälfte des 13. Jh. geschrieben; ob dies bereits im Braunschweiger Blasiusstift geschehen ist, wo der Psalter später benutzt und aufbewahrt worden ist, kann nicht mehr mit Sicherheit bewiesen werden. — Der Codex wurde mit den übrigen Hss. des Blasiusstifts 1834/1835 von der Herzoglichen Kammer an das Landeshauptarchiv abgegeben.

Haucap-Nass, 225 Nr. 130. — Kurzbeschreibung Arcinsys Niedersachsen online.

1ra–59rb Psalterium feriatum secundum cursum romanum. Die Gliederung des Psalteriums folgt der liturgischen Achtteilung nach dem Cursus romanus:
(1ra–va) Psalmi in dominicis diebus ad matutinas et ad primam. Enthielt Ps 1–25, erhalten nur noch Ps 24,20–22 und Ps 25; Invitatorium, Antiphonen und Versikel sind vollständig verloren.
(1va–3ra) Psalmi in feria II ad matutinas. Enthielt Ps 26–37, erhalten nur noch Ps 26 und Ps 27,1–2 mit einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2404 und 1290) und Laudes (CAO 1918, 3585), dem Versikel CAO 8181 sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 1717).
(3ra–8va) Psalmi in feria III ad matutinas. ›Feria III‹. Enthielt Ps 38–51, erhalten nur noch Ps 38,1–39,6, Ps 44,12–51,11 mit Invitatorium (im Binnenfeld der Initiale, CAO 1095), mit einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 5294, 2673, 1278, 1533, 2168, 8091) und Laudes (CAO 1390, 4683, weitere Antiphon radiert, nicht ergänzt, CAO 2079 und 3232) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 2664).
(8va–14ra) Psalmi in feria IV ad matutinas. ›Feria quarta‹. Enthielt Ps 52–67, erhalten nur noch Ps 52–54,16, Ps 61,9–13, Ps 62–67 mit Textverlust in Ps 65–67 durch Beschädigung von Bl. 12 und 13. Mit Invitatorium (im Binnenfeld der Initiale, CAO 1087) und einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 1549, 1196 und 3230 mit 8011) und Laudes (CAO 1390, 5115, 3557, 2414 und 1836) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 2664).
(14ra–20rb) Psalmi in feria V ad matutinas. ›Feria quinta‹. Enthielt Ps 68–79, erhalten nur noch Ps 68,1–15, Ps 71,17–20, Ps 72,1–77,25 und Ps 79,9–20 mit einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2330, 2681, 3620, 2709, CANTUS 200405 und 4394 mit 8079 und 1328) und Laudes (CAO 5150, 2373, 3252, 3203 und 1762 mit Versikel wie feria II) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 3285).
(20va–29ra) Psalmi in feria VI ad matutinas. ›Feria VI‹. Enthielt Ps 80–96, erhalten nur noch Ps 80,1–84,9, Ps 85,17, Ps 86,1–87,18, Ps 88,50–96,12 mit einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 2814, 5219, 1733, 2911, 2373, von anderer Hand nachgetragen, CAO 1744, 1720, 1764 mit Versikel CAO 7961) und Laudes (CAO 4678, 3309, 3182, 2326 und 3282 mit Versikel wie feria II) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 4270).
(29ra–38ra) Psalmi in feria VII ad matutinas. ›Sabbato‹. Enthielt Ps 97–108, erhalten nur noch Ps 97,1–99,3, Ps 101,14–106,15 und Ps 108,11–31 mit Invitatorium (im Binnenfeld der Initiale, CAO 1064), einem Teil der Antiphonen und Versikeln zu Matutin (CAO 4511, 3508, 1825, 1682, 5471, 1874 mit 8025) und Laudes (CAO 1736, 1744, 3749, 2705 und 3218 mit Versikel wie feria II) sowie der Benedictus-Antiphon (CAO 3184).
(38ra–40rb) Psalmi in dominicis diebus ad vesperas. Enthält Ps 109–113 mit Textverlust in Ps 113 durch Beschädigung von Bl 40; die zugehörigen Vesperantiphonen sind nicht eingetragen worden.
(40rb–41ra) Psalmi in feria II ad vesperas (pars I). Enthält Ps 114–116 mit Textverlust in Ps 114 und 115 durch Beschädigung von Bl. 40; die zugehörigen Vesperantiphonen sind nicht eingetragen worden.
(41ra–47va) Psalmi ad horas parvas diurnales. Ps 117 und 118 für die kleinen Tageshoren mit Textverlust in Ps 118 durch die Beschädigung mehrerer Bl.; 47r ist ein Teil des fehlenden Textes (Ps 118,157–159) auf einem nachträglich aufgenähten Pergamentbl. (13 x 3 cm) ergänzt worden. Die zugehörigen Antiphonen und Versikel sind nicht eingetragen worden.
(47va–b) Psalmi in feria II ad vesperas (pars II). Enthält Ps 119 und 120 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 1824 und 1536).
(47vb–49ra) Psalmi in feria III ad vesperas. Enthält Ps 121–125 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3229, 4473, 1279, 1735 und 2839).
(49ra–50ra) Psalmi in feria IV ad vesperas. Enthält Ps 126–130 mit den zugehörigen Vesperantiphonen (CAO 3885, 1587, 1732 und 2116).
(50ra–52va) Psalmi in feria V ad vesperas. Enthält Ps 131–136; die zugehörigen Vesperantiphonen sind nicht eingetragen worden.
(52va–55ra) Psalmi in feria VI ad vesperas. Enthielt Ps 137–142, erhalten nur noch Ps 137,1–7, Ps 138,23–24 und Ps 139–142; die zugehörigen Vesperantiphonen sind nicht eingetragen worden.
(55rb–58ra) Psalmi in feria VII ad vesperas. Enthält Ps 143–147; die zugehörigen Vesperantiphonen sind nicht eingetragen worden.
(58ra–59rb) Psalmi in omnibus diebus ad laudes. Enthält die stets gleichbleibenden Laudespsalmen Ps 148,1–150,6.

59rb–65vb Cantica VT. (59rb–59va) Canticum Isaiae (Stegmüller RB 21g1, dazu 59rb auf dem Kopfsteg die Antiphon CAO 1918 nachgetragen). (59va–60va) Canticum Ezechiae (Stegmüller RB 21g2). (60va–61ra) Canticum Annae (Stegmüller RB 21g3). (61ra–62rb) Canticum Moysis I (Stegmüller RB 21g4). (62rb–63rb) Canticum Habacuc (Stegmüller RB 21g5). (63rb–65vb) Canticum Moysis II (Stegmüller RB 21g6).

65vb–66va Te deum. ›Angelica laus‹. Druck (u. a.): PL 86, 944A–D; Daniel 2, 276f. Nr. II. Zum Text CPL 650.

66va–67ra Canticum trium puerorum. Stegmüller RB 21g7.

67ra–va ›Canticum Zacharie‹. Stegmüller RB 21h1. – Die übrigen Cantica des Neuen Testaments fehlen durch Blattverlust.

67va–68vb Symbolum Athanasianum. ›Catholica Fides‹. Zum Text vgl. CPL 167.

69ra–vb Officium defunctorum (ultima pars tantum). Offizium mit ehemals neun Lektionen; die Lesungen I–III samt Responsorien sowie Lesung IV sind verloren. Die Responsorien der Lektionen sind nachgewiesen bei Ottosen, 124: 32–57–68, 28–40–38. Text und Gesänge sind weitgehend identisch mit dem ebenfalls aus dem Blasiusstift stammenden Officium defunctorum in NLA-StA WF, VII B Hs 217, 126v–129v. – 70r–v leer.


Abgekürzt zitierte Literatur

CANTUS CANTUS: A Database for Latin Ecclesiastical Chant. Indices of chants in selected manuscripts and early printed sources of the liturgical Office (https://cantusdatabase.org/)
CAO R.-J. Hesbert, Corpus antiphonalium officii, Bd. 1–6, Rom 1963–1979 (Rerum ecclesiasticarum documenta. Series maior 7–12)
CPL Clavis patrum Latinorum, hrsg. von E. Dekkers, Steenbrugge u.a. 31995 (Corpus Christianorum. Series Latina)
Daniel H. A. Daniel, Thesaurus hymnologicus sive Hymnorum, canticorum, sequentiarum circa annum MD usitatarum collectio amplissima, Bd. 1–5, Leipzig 1855–1862
Haucap-Nass A. Haucap-Nass, Die Stiftsbibliothek von St. Blasius in Braunschweig. Ein Überblick mit einer Handliste der nachweisbaren Handschriften und Drucke aus dem Blasiusstift, in: Die Welfen und ihr Braunschweiger Hof im hohen Mittelalter, hrsg. von B. Schneidmüller, Wiesbaden 1995 (Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 7), 205–225
Ottosen K. Ottosen, The responsories and versicles of the latin office of the dead, Aarhus 1993
PL Patrologiae cursus completus. Series Latina, Bd. 1–221, hrsg. von J. P. Migne, Paris 1844–1865
Stegmüller RB F. Stegmüller, Repertorium biblicum medii aevi, Bd. 1–11, Madrid 1950–1980

Beschreibung erstellt im Rahmen des Projektes Katalogisierung der mittelalterlichen Handschriften im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel.
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